Die Hexenprozesse zu Groß-Salze (Salzelmen)

Schon früh interessierte ich mich für die Hexenprozesse, die im 17. Jhd. in meiner Heimatstadt stattgefunden haben. Glücklicherweise sind sie relativ gut dokumentiert. Umfangreiche Aktenbestände lagern im Stadtarchiv von Schönebeck. Sie enthalten Anklagen, Anschuldigungen durch Zeugen, Aussagen der betreffenden Frauen unter der Folter, Anfragen an Schöffenstühle und Urteile. In den Rechnungsbüchern der Stadt sind Ausgaben für Verhöre der Gefangenen, für Brandsäulen, Holz und Ketten sowie für den Scharfrichter verzeichnet (unter anderem auch für Alkohol, den er während der Folter konsumierte).

Trotzdem ist nicht jedes Schicksal der insgesamt rund 50 Frauen bis ins Detail nachvollziehbar, da oft Teile der Akten fehlen. Die meisten wurden hingerichtet, einige wurden des Landes verwiesen und mussten Urfehde schwören, was bedeutet, dass sie Anklage und Folter als rechtmäßig anerkannten und den Verzicht auf jede Form der Vergeltung erklärten.

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Der Pfännerturm

Am Anfang der Prozesse stand stets eine Denunziation. Die betroffenen Frauen wurden im Pfännerturm gefangen gesetzt, in dessen düsteres Verließ sie an Seilen hinab gelassen wurden. Es gab keine Möglichkeit daraus zu entkommen. Laiengerichte führten dann den Prozess durch, sie setzten sich aus wohlhabenden, angesehenen Bürgern der Stadt zusammen. Rückhalt erhielten sie durch Anfragen an Schöffenstühle und juristische Fakultäten. Für den Nachweis der Hexerei waren Teufelsbuhlschaft, Schadenszauber und Hexenflug ausschlaggebend. Fast immer wurde die „peinliche Befragung“, die Folter, angeordnet, unter der die Frauen alles gestanden. Es half ihnen auch nicht, wenn sie anschließend widerriefen. Eine der betroffenen Frauen erklärte vor ihrem Beichtvater, dass sie, obwohl sie unschuldig sei, gern sterben wolle, da sie nach der erlittenen Folter ohnehin „zu nichts mehr zu gebrauchen sei“.

Ein erklärtes Ziel der Verhöre bestand darin, weitere Schuldige zu entlarven. Viele der Frauen zogen sich aus der Affäre, indem sie bereits Hingerichtete benannten, wodurch keiner lebenden Person Schaden zugefügt wurde. Die 13jährige Lene Dorer beschuldigte während ihrer Verhöre weitere Frauen, ein Beleg dafür, wie wenig dieses Kind den seelischen und körperlichen Qualen gewachsen war, denen man es aussetzte.

Der Prozess gegen Marie Kleinicke, die im Buch „Henkersbraut“ ebenfalls erwähnt wird, wurde vom MDR unter dem Titel „Die Brockenhexe“ verfilmt.

Wer mehr zu dem Thema lesen möchte, sei hier auf das Buch von Monika Lücke verwiesen.

Über Bad Salzelmen

Das Gradierwerk

Das Gradierwerk

„Henkersbraut“ spielt nicht zufällig in meiner alten Heimatstadt Bad Salzelmen. Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit diesem Ort und möchte deshalb heute etwas über die Stadt und ihre historischen Wurzeln erzählen.

Bad Salzelmen führt das Salz nicht nur im Namen, es ist gewissermaßen auf Salz gegründet. Bis in die Anfänge des 13. Jahrhunderts reicht die Geschichte der Gewinnung des weißen Goldes dort zurück. Der Legende nach soll die erste salzige Quelle vom verirrten Lamm eines Hirten entdeckt worden sein. Es blieb nicht die einzige und schon bald wurde das Salz gewerbsmäßig durch das Sieden des salzhaltigen Wassers (der Sole) in großen Pfannen gewonnen, nach denen die Besitzer der Solgüter Pfänner genannt wurden. Noch heute gibt es in Salzelmen eine Pfännerstraße, den Pfännerturm und die Gaststätte Pfännerklause.

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Blick zur St.-Johannis-Kirche

Die Pfänner erwarben nicht nur großen Reichtum, sondern auch Macht und Einfluss. Sie bestimmten die Geschicke der Stadt entscheidend. Mit ihrem Geld erwarben sie Adelstitel und so kam es, dass der Stadtrat im 17. Jahrhundert ausschließlich aus Adligen bestand. Zeugnisse dieser großen Zeit sind unter anderem das imposante Rathaus (heute Museum) und die wuchtige spätgotische St.-Johannis-Kirche. Auf dem Gertraudenfriedhof kann man die verwitterten Grabtafeln der alten Adelsgeschlechter besichtigen. Als Kind fand ich diesen Ort unheimlich, weil man damals durch die zerbrochenen Fenster der alten Gruften einen Blick auf die Särge darin werfen konnte. Nicht zufällig wird deshalb in „Henkersbraut“ die Leiche auf diesem Friedhof gefunden.

Das Gradierwerk wurde von 1756 bis 1765 mit einer Gesamtlänge von 1837m errichtet. Es war das größte seiner Art in Europa. Das Funktionsprinzip ist einfach: Die Rohsole wird nach oben gepumpt und rieselt dann über ein mit Schwarzdorn gestopftes Holzgerüst nach unten. Durch die Verdunstung erhöht sich ihre Konzentration und Reinheit. Das spart Brennstoff beim Sieden und hat einen sehr angenehmen Nebeneffekt: Während des Verrieselns entsteht die reinste Meeresbrise. Bei einem Schnupfen ist ein Spaziergang am Gradierwerk entlang eine wahre Wohltat. Auch heute dienen die verbliebenen 300m des Gradierwerkes als Freiluftinhalatorium.

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Auf dem Gradierwerk

Die gesundheitsfördernde Wirkung der Sole machte sich schließlich der Knappschaftsarzt Dr. Tolberg zunutze. Sein Verdienst ist die Gründung des ersten deutschen Solbades im Jahre 1802. Neben Inhalationen und Trinkkuren wurden auch Bäder angeboten. Im alten Soleschwimmbecken des „Erlenbades“ habe ich als Kind das Schwimmen erlernt. Hilfreich war dabei der starke Auftrieb der Sole – ein Effekt wie im Toten Meer. Heute gibt es das Erlenbad nicht mehr, an seine Stelle ist das moderne und großzügige Erholungsbad „Solequell“ getreten. Immer wenn ich Gelegenheit habe, meiner alten Heimat einen Besuch abzustatten, freue ich mich über die Neuerungen dort. Es wäre schön, wenn Bad Salzelmen auch durch mein Buch noch ein wenig bekannter werden würde.

Gastbeitrag auf xtme

xtmeDie Kollegen von xtme haben mir die Gelegenheit gegeben, „Henkersbraut“ vorzustellen und ein paar persönliche Worte an meine Leser zu richten, was ich natürlich sehr gern getan habe. Wer xtme nicht kennt: diese Seite stellt neue Ebooks vor – insbesondere Indie-Autoren wie mich – und weist auf Gratis- oder Preisaktion bei Ebooks hin. Eine gute Anlaufstelle für alle, die im unübersichtlichen Ebookmarkt auf dem Laufenden bleiben wollen.

Hier ist der Beitrag auf xtme.

Das neue Buch ist da!

Ich muss zugeben, dass mich der Erfolg von „Eine tödliche Erinnerung“ total überrascht und überwältigt hat. Die Idee für einen Nachfolger hatte ich aber schon im Kopf, noch bevor das Buch veröffentlicht wurde. Die vielen tollen Rezensionen haben mich unheimlich motiviert und ich bin sehr stolz, dass heute das neue Buch bei amazon zum Verkauf steht!

„Henkersbraut“ ist der zweite Fall für Iris Forster, aber ich habe darauf geachtet, einen abgeschlossenen Roman zu schreiben, der auch denjenigen Spaß macht, die den ersten Teil vielleicht nicht gelesen haben. Schauplatz ist diesmal meine alte Heimat, das geschichtsträchtige Bad Salzelmen in Sachsen-Anhalt. Viel Spaß und spannende Unterhaltung!